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Evidenzbasiert5. März 202611 Min. Lesezeit

AREDS2-Studie: Welche Nahrungsergänzungsmittel bei AMD wirklich helfen

Die AREDS2-Studie des amerikanischen National Eye Institute gehört zu den wichtigsten klinischen Studien in der Augenheilkunde. Sie belegt, welche Vitamine und Mineralstoffe die Progression der altersbedingten Makuladegeneration tatsächlich verlangsamen können – und welche nicht. Ein evidenzbasierter Überblick.

Warum Nahrungsergänzung bei AMD?

Die altersbedingte Makuladegeneration ist eine Erkrankung, bei der oxidativer Stress eine zentrale Rolle spielt. Die Makula – der Bereich der Netzhaut, der für das scharfe, zentrale Sehen verantwortlich ist – ist aufgrund ihrer hohen Stoffwechselaktivität und der ständigen Lichtexposition besonders anfällig für Schäden durch freie Radikale. Diese reaktiven Sauerstoffverbindungen entstehen als Nebenprodukt des normalen Zellstoffwechsels, werden aber durch Faktoren wie UV-Strahlung, Rauchen und zunehmendes Alter verstärkt. Im Laufe der Zeit können sie die empfindlichen Zellen der Makula schädigen und zum Fortschreiten der AMD beitragen.

Antioxidantien – Substanzen, die freie Radikale neutralisieren können – spielen daher eine wichtige Rolle im Schutz der Netzhaut. Bestimmte Carotinoide wie Lutein und Zeaxanthin sind von besonderer Bedeutung, da sie sich natürlicherweise in der Makula anreichern und dort als eine Art biologischer Lichtfilter wirken. Sie absorbieren energiereiches blaues Licht und schützen die darunterliegenden Photorezeptoren vor oxidativen Schäden. Diese Erkenntnis führte zu der Frage, ob eine gezielte Supplementierung mit Antioxidantien und Mineralstoffen den Verlauf der AMD beeinflussen kann – eine Frage, die das National Eye Institute (NEI) der USA in zwei großangelegten klinischen Studien systematisch untersucht hat.

Über die Supplementierung hinaus: Ergänzende Therapieansätze

Die AREDS2-Supplementierung ist ein wichtiger Baustein im Management der trockenen AMD, aber sie ist nicht der einzige. Die Basistherapie der trockenen AMD umfasst neben der Supplementierung auch Lebensstilanpassungen: eine ausgewogene, gemüsereiche Ernährung mit regelmäßigem Fischverzehr, den konsequenten Verzicht auf Rauchen, UV-Schutz durch eine geeignete Sonnenbrille sowie regelmäßige augenärztliche Kontrollen. Diese Maßnahmen bilden das Fundament, auf dem alle weiteren Therapieansätze aufbauen.

In den vergangenen Jahren hat sich mit der Photobiomodulation (PBM) ein vielversprechender ergänzender Therapieansatz entwickelt, der über die reine Supplementierung hinausgeht. Bei der PBM wird die Netzhaut mit definierten Wellenlängen im roten und nahinfraroten Bereich des Lichtspektrums bestrahlt. Auf zellulärer Ebene stimuliert dies die Mitochondrien – die Energiekraftwerke der Zellen – und könnte so die Energieversorgung der geschädigten Netzhautzellen verbessern und entzündungshemmende Prozesse anstoßen. Klinische Studien wie die LIGHTSITE-Studienreihe haben bei Patienten mit intermediärer trockener AMD Verbesserungen der Sehschärfe und der Kontrastempfindlichkeit gezeigt.

In Deutschland wird die PBM derzeit im Rahmen der bundesweiten MACULIGHT-Studie wissenschaftlich untersucht – erstmals auch in der Heimanwendung. Dieser Ansatz könnte die AREDS2-Supplementierung sinnvoll ergänzen, da er auf einem anderen Wirkmechanismus basiert: Während die Supplementierung den oxidativen Stress reduziert, zielt die PBM auf die Verbesserung der zellulären Energieproduktion ab.

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Fazit: Evidenz statt Versprechen

Die AREDS2-Studie hat eine klare, evidenzbasierte Grundlage geschaffen für die Frage, welche Nahrungsergänzungsmittel bei AMD tatsächlich einen Nutzen haben. Die Antwort ist differenziert: Für Patienten mit intermediärer AMD kann die tägliche Einnahme der AREDS2-Formel – Vitamin C, Vitamin E, Zink, Kupfer, Lutein und Zeaxanthin in den definierten Dosierungen – das Risiko einer Progression zur fortgeschrittenen AMD signifikant reduzieren. Für Omega-3-Fettsäuren als Supplement konnte kein zusätzlicher Nutzen nachgewiesen werden, und für Patienten mit früher AMD ist die Supplementierung nicht indiziert.

Lassen Sie sich nicht von übertriebenen Werbeversprechen verunsichern. Kein Nahrungsergänzungsmittel kann eine AMD heilen oder das Sehvermögen wiederherstellen. Was die AREDS2-Formel nachweislich kann, ist die Verlangsamung der Krankheitsprogression – und das ist bei einer chronischen, fortschreitenden Erkrankung wie der AMD ein bedeutsamer Gewinn. Sprechen Sie mit Ihrem Augenarzt darüber, ob die AREDS2-Supplementierung für Ihr individuelles Krankheitsstadium sinnvoll ist, und achten Sie beim Kauf auf die exakte Zusammensetzung der Formel.

Die Forschung zur Behandlung der trockenen AMD entwickelt sich stetig weiter. Neben der bewährten AREDS2-Supplementierung werden neue Therapieansätze wie die Photobiomodulation und Komplementinhibitoren in klinischen Studien untersucht. Bleiben Sie informiert, nutzen Sie die regelmäßige Vorsorge beim Augenarzt und ergänzen Sie diese durch ein tägliches Selbstmonitoring mit dem Amsler-Gitter-Selbstcheck. So geben Sie Ihrem Sehvermögen die bestmögliche Unterstützung.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Age-Related Eye Disease Study Research Group. A Randomized, Placebo-Controlled, Clinical Trial of High-Dose Supplementation With Vitamins C and E, Beta Carotene, and Zinc for Age-Related Macular Degeneration and Vision Loss. Archives of Ophthalmology. 2001;119(10):1417–1436.
  2. Age-Related Eye Disease Study 2 (AREDS2) Research Group. Lutein + Zeaxanthin and Omega-3 Fatty Acids for Age-Related Macular Degeneration. JAMA. 2013;309(19):2005–2015.
  3. Chew EY, Clemons TE, Agrón E et al. Long-term Outcomes of Adding Lutein/Zeaxanthin and ω-3 Fatty Acids to the AREDS Supplements on Age-Related Macular Degeneration Progression: AREDS2 Report 28. JAMA Ophthalmology. 2022;140(7):692–698. doi:10.1001/jamaophthalmol.2022.1640
  4. National Eye Institute. AREDS 2 Supplements for Age-Related Macular Degeneration (AMD). Juni 2021. nei.nih.gov
  5. Cochrane Library. Antioxidant vitamin and mineral supplements for slowing the progression of age-related macular degeneration. September 2023. cochranelibrary.com
  6. Beckers D et al. AREDS2 Under Scrutiny: Advocating Unified Regulations. Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde. 2025. PubMed: 40719090
  7. Macular Society. AREDS2 supplements slow sight loss in late-stage dry AMD. Juli 2024. macularsociety.org
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Nahrungsergänzungsmittel sind keine Arzneimittel und können eine AMD weder heilen noch das Sehvermögen wiederherstellen. Die Entscheidung über die Einnahme von AREDS2-Präparaten sollte immer in Absprache mit dem behandelnden Augenarzt getroffen werden. Konsultieren Sie Ihren Arzt, bevor Sie Änderungen an Ihrer Supplementierung vornehmen.

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